Warum Höflichkeit beim Coaching nicht angebracht ist

Allgemein

Es gibt einen Zustand beim Coaching, der jedem ernstzunehmenden Berater und Coach die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Nämlich dann, wenn der Klient beginnt, höflich zu antworten. Hört sich vielleicht erstmal komisch an – ist aber so. Diesen Zustand nennen wir Fachleute „Höflichkeits-Rapport“ – und den gilt es unter allen Umständen zu vermeiden. Warum? Weil es niemanden etwas bringt (es sei denn der Auftrag des Coachings lautet „ich möchte besser im Smalltalk werden“).

Der Höflichkeits-Rapport entsteht u.a. dann, wenn der Klient den Eindruck hat:

* er muss den Coach schonen

* er darf bestimmte Dinge nicht so krass ausdrücken, wie er sie eigentlich fühlt

* der Coach will jetzt ganz bestimmte Dinge von ihm hören

Die Höflichkeit entsteht aber auch dann, wenn der Klient keine Verbindung zu seinem Coach hat, sich nicht gut aufgehoben fühlt. Oder noch mental zu sehr mit dem Alltagsgeschäft beschäftigt ist, sodass er die Anstrengung einer echten Antwort meidet.

Denn: echte Antworten erfordern eine Menge Energie! So manch einer meiner Klienten hat mir berichtet, dass er oder sie nach unserer gemeinsamen Arbeit erstmal viel Ruhe gebraucht hat. Echte Antworten brauchen auch viel Vertrauen. Und sie benötigen einiges an Geschick seitens des Fragestellers.

Jeder gute Coach (der nicht nur Geld fürs Zuhören erhalten möchte) sieht deshalb schleunigst zu, dass er mit seinem Klienten aus der Höflichkeit rauskommt (was natürlich nicht bedeutet, dass man in den Sitzungen unflätig miteinander spricht!). Denn nur so wird er es schaffen, seinen Coachee zu eigenen Ergebnissen zu bringen. Und diese Ergebnisse können nicht kommen, wenn mir mein Gegenüber ständig ein gutes Gefühl vermitteln will.

Gutes Coaching ist wundervoll, weil es Wunder bewirkt. Und es ist hart – vor allem für den Coachee, der hart an sich arbeitet. Höflichkeit hat hier nichts zu suchen. Höflichkeit ist nett. Und „nett“ ist bekanntlich die kleine Schwester von…

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